Wenn ein Pirat ‚was sucht

„Ich versteh‘ das alles nicht“, sagt mein Mann, wenn wir die Geschichten vom „Sandmännchen“ anschauen. „Lola Langohr“ ist zu schnell und zu bunt, „Herr Fuchs und Frau Elster“ machen merkwürdige Sachen und „Rasmus Rotbart“, der Pirat, spricht immer so undeutlich. Bei ihm versteht man aber zumindest die Lieder, die gesungen werden. Unser Favorit: „Wenn ein Pirat ‚was sucht, läuft er herum und flucht.“ Diese Textzeile habe ich oft im Kopf, wenn ich im letzten Moment noch einen Handschuh, eine Lieblingspuppe oder eine Trinkflasche suche. Ansonsten verbreite ich stoische Ruhe, wenn Nora kreischt: „Wo ist mein Regenschirm?“ oder Justus fragt: „Mama, Hammer ist?“ und sage  zuversichtlich: „Der taucht wieder auf.“

Bei Dingen, die größer als eine Tafel Schokolade sind, liege ich damit auch fast immer richtig. Schwieriger wird es bei Puppenschnullern oder Matchboxautos, gemein bei Puzzleteilen oder Memorykärtchen. Da dauert es dann etwas länger, bis Justus „Fundet!“ verkünden kann. Richtig fatal sind Barbie-Schuhe und Playmobil-Schäufelchen. Die suche ich meist in den Untiefen von Noras Flokati-Teppich. Idealerweise bevor man dieses typische Klick-klick im Staubsaugerrohr hört. Dennoch werde ich den Verdacht nicht los, dass die Spielzeugindustrie darauf spekuliert, dass die Hälfte der Plastikkleinteile verloren geht. Neben dem Staubsauger und der Waschmaschine muss es nämlich auch noch andere geheimnisvolle Orte geben, an denen die Dinge einfach verschwinden. Spielfiguren zum Beispiel oder Schokokekse. Eben waren sie noch da und plötzlich sind sie weg.

Was das Finden angeht, sind die Fähigkeiten der einzelnen Familienmitglieder  unterschiedlich ausgeprägt. Mein Mann ist sehr gut darin, vor allem im Bereich des Kellers. Was den Kühlschrank angeht, scheint er mir manchmal allerdings mit Blindheit geschlagen. Bei den Kindern heißt suchen oftmals „Ich hab die Tür aufgemacht und ins Kinderzimmer geschaut“. Da muss dann eine echte Fachkraft ran, die auch unters Bett kriechen oder die großen Schubladen durchforsten kann. Also ich, die Suchmaschine, an die von 6 bis 21 Uhr standardisierte Anfragen wie „Mama, wo ist mein…?“ gerichtet werden können.

Das Vertrauen der Kinder, dass die Dinge schon wieder irgendwo auftauchen, ist dabei zum Glück groß. Als ich gestern abend noch einmal in Justus‘ Zimmer war, um einer der letzten Stechmücken den Garaus zu machen, hatte die sich offenbar kurz versteckt. Auf meine Frage, wo sie denn wohl sei, meinte er tröstlich: „Taucht wieder auf.“

The URI to TrackBack this entry is: https://schellhammer.wordpress.com/2010/11/24/wenn-ein-pirat-was-sucht/trackback/

RSS feed for comments on this post.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: