Pippi Langstrumpf auf Speed

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Schon gar nicht mit einer Fünfjährigen. Der Kauf des Schulranzens steht bevor und ich befürchte das Schlimmste. Doch Nora sagt: „Ich möchte gar keinen so bunten Ranzen. Einfach rosa, mit einem fliegenden Pferd drauf und mit einem Regenbogen im Hintergrund.“ Schön schlicht eben.

Wenn wir uns hübsch machen, weil wir die Oma besuchen oder in die Kirche gehen, gebe ich kleine, diplomatische Anregungen, die jedoch stets mit etwas Geblümtem oder wild Geringeltem übertrumpft werden. Gerne genommen: die Farbkombination lila-rosa-orange. Wenn mir bei all den Mustern und Farben schwindlig wird, versuche ich schnell mir die Sachen der Kindermodemarke Oilily zu vergegenwärtigen. Die sehen ähnlich aus, sind unverschämt teuer und haben unzweifelhaft Stil. Den hat meine Tochter auch. Mit drei Zöpfen, zwei Leggins, vier Halsketten und ihren gelben Gummistiefeln sieht aus wie Pippi Langstrumpf auf Speed. „Wo hab ich nur meine Sonnenbrille?“, fragt sie mich dann. Und ich frage mich, wie ich sie an meinem puristisch eingestellten, hanseatischen Gatten vorbei aus dem Haus geschmuggelt bekomme.

Kürzlich habe ich mir ausnahmsweise einen etwas kräftiger gemusterten Schal um den Hals gelegt, passend zu einer dunkelblauen Bluse. Als ich hinter der Schranktür hervorkam meinte sie: „Mama, jetzt übertreibst Du aber ein bisschen.“ Offenbar geht das früh los, dass Kindern eine zu flippig angezogene Mutter peinlich ist.

Published in: on 18. Mai 2010 at 19:01  Kommentar verfassen  
Tags: , , , ,